Der Stadtphysikus verfasst einen Bestseller 1564

Der Marburger Professor für Mathematik Adam Lonicer entschloss sich eigentlich aus privaten Gründen nach Frankfurt zu übersiedeln da er der Tochter des Frankfurter Verlegers und Druckers Christian Egenolff zugeneigt war. Bevor er sein städtisches Amt antrat heiratete er die Tochter Egenolffs. Doch nicht nur die private Verbindung sondern auch die auf schriftstellerischem Gebiet war sehr fruchtbar. Neben den gelegentlichen Korrekturarbeiten publizierte er in den nächsten Jahren eine Anzahl wissenschaftlicher Werke.

Mit Lonicers “Kräuterbuch” hatte das Egenolffsche Verlagsprogramm einen Bestsellertitel aufgenommen, dessen rascher Absatz immer neue Auflagen erforderlich machte. In den fünfziger Jahren des 16. Jahrhunderts war das Buch erstmals in zwei Teilen in lateinischer Sprache gedruckt worden; die beiden Bände waren mit Holzschnitt-Darstellungen der besprochenen Pflanzen illustriert. Zweieinhalb Jahrzehnte später erschien dann eine deutschsprachige Ausgabe des “Kräuterbuchs”, die noch größere Verbreitung fand als die lateinische Version.

Nachdem das Kräuter-Werk in beiden Teilen vorlag, überreichte Lonicer dem Frankfurter Rat ein druckfrisches Exemplar, wofür ihm die Stadtregierung zehn Taler aus der Stadtkasse anweisen.  Lonicers “Kräuterbuch” ist eines der ältesten Bestandsaufnahmen der einheimischen Pflanzenwelt; der Autor hatte bei der Abhandlung der einzelnen Pflanzen nicht nur deren deutsche und lateinische Bezeichnungen angegeben, sondern auch ihre griechischen, französischen, italienischen und spanischen Namen. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné hat Adem Lonicer später mit der lateinischen Benennung einer Pflanzengattung – des Geißblattes – als “loniceria” ein botanisches Denkmal gesetzt.

Nach zwei Jahrzehnten als Medikus in städtischen Diensten erhielt Lonicer Entlastung durch einen Arzt aus Nürnberg namens Dr. Erasmus Flock, der sich in Frankfurt “umb den Stadt – Arzt und Physicat” beworben hatte. Flock wurde für ein Jahr zu Probe angestellt und praktizierte nun für einige Zeit neben seinem älteren  Kollegen Lonicer. Die beiden Akademiker  Lonicer und Flock, “beede Doctores v.E.E. Rath bestellte Medici” sehen mit Argwohn auf die Tätigkeit nicht akademisch ausgebildeter Ärzte der jüdischen Stadtbevölkerung und so “suppliciren und bitten” die beiden städtisch angestellten Doctores im Sommer 1576 den Rat der Stadt wie der Chronist Lersner berichtet , “gegen den unerfahrenen Juden –  Arzten, ein gebührlich Einsehen zu haben damit denselben nicht gestattet werde, die Leuth mit ihrer untüchtiger, ungereimter selbst gekochten und gesudelt Arzney zu betriegen, und zu vernachtheilen. Lonicer und sein Kollege Flock verlangten vom Rat, man solle “Juden – Arzt wie hiebevor  auch beschlossen, examiniren lassen, ob sie auch in solcher Kunst gegründet seyn”.

Adam Lonicer starb nach über ´dreißigjähriger Dienstzeit als Stadtphysikus im Alter von achtundfünfzig Jahren.

Sein Kräuterbuch” wurde immer wieder neu aufgelegt nachdem Nachfrage so groß war.

Man kann auch heute noch Neuauflagen aus verschiedenen Jahrhunderten kaufen.

Diesen Beitrag über Lonicer und sein Buch wird an dieser Stelle fortgesetzt, mit Bildern aus dem Buch, welches sehr schön handkoloriert ist, und einzelnen  Pflanzen Beschreibungen.

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