Der Weihnachtsmarkt in Frankfurt wird heute eröffnet

Vieles dreht sich in der Advents und Weihnachtszeit um Tannenbäume. Auch in Frankfurt auf dem Römerberg, wo seit vielen Jahrhunderten ein Weihnachts-  oder Christkindchesmarkt stattfindet steht ein riesiger Tannenbaum, geschmückt mit tausenden von kleinen Lichtern. Deshalb möchten wir heute an dieser Stelle ein Gedicht zum Tannenbaum von Wolfgang Lörzer vorstellen.

Wolfgang Lörzer (geb. 1950)

Ein Weihnachtsbaum klagt

Oh Tannenbaum

Oh Tannenbaum

Epilog zur Weihnachtszeit

Ihr habt mich aus dem Haus gezerrt,
so mir nichts, dir nichts ausgesperrt!
Jetzt lieg’ ich hier so ganz allein
am Wegesrand im Mondenschein.

Ihr hattet festlich mich geschmückt,
und alle wart ihr so entzückt
von meiner Schönheit, meiner Pracht,
die hell erstrahlte in der Nacht.

Feierlich habt ihr gesungen,
ach, wie schön hat es geklungen!
Wie ich genoss die Harmonie!

Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg

Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg

Glücklich war ich wie noch nie.

Als dann das Fest vorüber war,
und es begann das neue Jahr,
da wandtet ihr euch von mir ab,
und Einzug hielt der Alltagstrab.

Ich bin entsetzt! Ich muss euch tadeln!
Mir sträuben sich vor Wut die Nadeln.
Ihr habt so herzlos mich verbannt.
Lieg’ ganz allein am Wegesrand.

Warum nur in der Weihnachtszeit
seid ihr zur Harmonie bereit?
Ansonsten seid ihr so gemein!
Warum nur müsst ihr denn so sein?

Die Geschichte des Frankfurter Weihnachtsmarktes geht zurück bis auf das Jahr 1393 also 621 Jahre. Das Weihnachtsfest hatte im Mittelalter noch nicht die folkloristische Bedeutung wie heute. Der Weihnachtsmarkt sollte den Bürgern die Möglichkeit geben, sich mit dem nötigen Bedarf einzudecken, bevor die strengste Zeit des Winters begann.

Anders als bei den Messen durften auf dem Weihnachtsmarkt keine auswärtigen Kaufleute ihre Waren feilbieten. Nur Frankfurter Bürger konnten einen Stand aufschlagen. Im Mittelalter  wurden zum Weihnachtsmarkt auch Mysterienspiele aufgeführt, die ihren Ursprung möglicherweise im Jahr 941 hatten. Damals hielt sich König Otto I. zu Weihnachten in seiner Pfalz in Frankfurt auf und feierte die Christmette in der Salvatorkirche. Als er die Kirche verließ, fiel sein abtrünniger Bruder Heinrich vor ihm auf die Knie und bat um Vergebung. Otto versöhnte sich mit ihm. Der Maler Alfred Rethel stellte diese Szene 1840 dar. Das Bild befindet sich im Historischen Museum.

Die Versöhnung Ottos des Grossen mit seinem Bruder Heinrich Weihnachen 941 gemalt von Alfred Rethel 1840

Die Versöhnung Ottos des Grossen mit seinem Bruder Heinrich Weihnachen 941 gemalt von Alfred Rethel 1840

Im 19. Jahrhundert näherte sich das Bild des Weihnachtsmarktes allmählich dem heutigen an. Es wurde Brauch, Christbäume aufzustellen und zu schmücken, und die Sachsenhäuser hatten das Privileg, Christbäume in den Römerhallen zu verkaufen. Weiterhin durften laut Magistratsbeschluss nur eigentliche Weihnachtsmarktartikel als: Kinderspielwaren, Christbäume und Christgärten, Lebküchler- und Conditorwaren… feilgeboten und verkauft werden. Im zweiten Weltkrieg wurde die historische Kulisse des Weihnachtsmarktes bei den allierten Luftangriffen auf Frankfurt zerstört. Während der Nachkriegszeit fand der Weihnachtsmarkt zeitweise an wechselnden Orten in der Stadt statt, da während des U-Bahn Baus Ende der sechziger Jahre und Anfang der siebziger Jahre der Römerberg eine Baustelle war. Erst seit den siebziger Jahren konnte der Weihnachtsmarkt wieder an seinem traditionellen Ort stattfinden.

Heute besteht der Weihnachtsmarkt  aus über 200 Ständen, die sich von der Zeil über den Liebfrauenberg, die Neue Kräme, den Paulsplatz, den Römerberg und das Fahrtor bis zum Mainkai erstrecken. Die Stände bieten eine bunte Mischung aus 56 Gatronomieständen und beheizten Gaststuben, 29 Süsswarenstände und 6 Kinderkarussells. Den Schwerpunkt bilden nach wie vor die 98 Verkaufsstände für Weihnachtsartikel: vom erzgebirgischen  Kunsthandwerk wie Kerzen, Marionetten, Blechspielzeug bis hin zu modernem oder traditionellem Christbaumschmuck wird eine breites Spektrum geboten.

Zu den klassischen Frankfurter Weihnachtsartikeln gehören die Quetschemännche, kleine Figuren aus Nüssen, Backpflaumen und Rosinen, die Frankfurter Brenten (aus Marzipanteig in Modeln geformte Plätzchen) und vor allem die Bethmännchen.

Das abendliche Turmblasen ist eine Konzert eines Bläserchors, der von der Dachgalerie der Alten Nikoleikirche aus Weihnachtslieder und Choräle spielt. Am Samstag vor dem Ersten Advent um 16:30 Uhr, am Vorabend des ersten Sonntags im Kirchenjahr, findet traditionell ein halbstündiges Großes Stadtgeläut aller Innenstadtkirchen statt.

Auch wenn das Gedränge groß ist, ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt lohnt sich immer. Wenn man clever ist bucht man einen Tisch im Schwarzen Stern oder noch besser im Restaurant Haus Wertheym am Fahrtor. Allerdings besteht die Restaurantleitung auf dem Verzehr eines Abendessens sonst erhält man keine Reservierung.

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