Börse Frankfurt hebt ab in Hoffnung auf Griechenland Einigung

 

Die Bullen sind los

Die Bullen sind los

Aktien Frankfurt: Anleger wetten auf Erfolg des Krisengipfels zu Griechenland

22.06.2015
FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Hoffnung auf einen Durchbruch im griechischen Schuldenstreit hat den Dax am Montag beflügelt. Neue Vorschläge aus Athen wurden von mehreren Seiten als gute Verhandlungsbasis gewertet. Die kritischen Aussagen mehrerer Euro-Finanzminister trübten die Euphorie allerdings nur wenig: Nach Kursgewinnen von bis zu dreieinhalb Prozent stand der deutsche Leitindex zuletzt noch 2,62 Prozent im Plus bei 11 328,93 Punkten.

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um 1,70 Prozent auf 19 905,75 Punkte hoch und der Technologiewerte-Index TecDax gewann 1,42 Prozent auf 1658,52 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zog um 2,55 Prozent auf 3543,98 Punkte an.

NEUE VORSCHLÄGE AUS ATHEN – SCHÄUBLE SKEPTISCH

Vor dem Sondergipfel der Euro-Staats- und Regierungschefs am Abend legte Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras praktisch in letzter Minute neue Vorschläge vor. Laut der griechischen Presse soll er bereit sein, die Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel, Restaurants und Hotels zu erhöhen, die meisten Frührenten abzuschaffen und die Reichen des Landes mit einen Sondersteuer zu belegen. Als Gegenleistung fordere Athen eine Umschichtung seiner Schulden und ein Investitionsprogramm.

Derweil vermisste Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Vorab-Treffen mit seinen Amtskollegen belastbare Angebote der griechischen Regierung. Österreichs Hans Jörg Schelling kritisierte den späten Zeitpunkt der Vorschläge aus Athen und hält deshalb eine Einigung noch heute für unwahrscheinlich. Ähnlich äußerte sich der finnische Finanzminister Alexander Alexander Stubb, der von “sehr geringen Erwartungen” sprach. Dabei drängt die Zeit für eine Lösung: Das aktuelle europäische Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende des Monats aus. Dann droht ohne die Einigung auf neue Finanzhilfen die Staatspleite.

LUFTHANSA DROHEN NEUE STREIKS

Unternehmensseitig war die Agenda am Montag übersichtlich. Die Lufthansa-Aktien waren mit plus 0,99 Prozent einer der schwächsten Werte im Dax. Bei der Fluggesellschaft ist der nächste Streik ein Stück näher gerückt: Am Samstag war die Schlichtung im Tarifkonflikt der Flugbegleiter ohne Ergebnis zu Ende gegangen, wie das Unternehmen und die Kabinengewerkschaft Ufo übereinstimmend mitteilten. “Das belastet zumindest die Stimmung für die Aktie”, sagte ein Börsianer. Neue Arbeitskämpfe seien nun wahrscheinlich.

Ansonsten bewegten vor allem Analystenkommentare die Kurse. Die Aktien der Autobauer und -zulieferer erholten sich deutlich von ihrer jüngsten Schwäche, nachdem JPMorgan den Sektor hochgestuft hatte und zum Kaufen empfiehlt. Die Kursverluste wegen der Sorgen um Griechenland seien übertrieben, erklärten die Analysten der US-Bank. Auch drohe in China kein starker Konjunkturknick, weshalb die dortige Geschäftsentwicklung weder die Unternehmensgewinne noch die Dividenden gefährden werde. Am wichtigsten seien aber die Anzeichen für eine Erholung des europäischen Automarktes.

Im Dax eroberten BMW-Papiere mit plus 4,15 Prozent den Spitzenplatz. Daimler-Aktien verteuerten sich um 3,00 Prozent und Volkswagen-Aktien rückten um 2,45 Prozent vor. Die Titel des Zulieferers Leoni gehörten mit einem Kursanstieg von 3,79 Prozent zu den größten Gewinnern im MDax.

ALLIANZ STARK – OSRAM HINKEN HINTERHER

Die Aktien des Versicherers Allianz gewannen 3,21 Prozent – hier half eine Hochstufung durch das Analysehaus Jefferies. Bei den mittelgroßen Werten liefen Osram-Aktien mit minus 1,34 Prozent der Marktentwicklung weit hinterher. Das Bankhaus Metzler rät zum Verkauf, da der “überoptimistische Marktkonsens” die Risiken bei dem Lichtspezialisten übersehe.

Zum Wochenstart wurden überdies etliche Änderungen in den deutschen Aktienindizes umgesetzt, die aber für keine auffälligen Kursbewegungen sorgten. Unter anderem wurde die Aktie des erst im Oktober vergangenen Jahres an die Börse gegangenen Mode-Versandhändlers Zalando in den MDax aufgenommen./gl/das

— Von Gerold Löhle, dpa-AFX —

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