Frankfurter Straßen – Der Kettenhofweg

Der Kettenhofweg ist eine Straße im Frankfurter Stadtteil Westend Süd. Wie die meisten Straßen in diesem Stadtteil ist auch der Kettenhofweg eine Einbahnstraße. Zwischen den beiden Endpunkten des Kettenhofwegs, der Senckenberganlage im Westen und der Bockenheimer Landstraße im Osten, wechselt die Straße mehrmals die vorgeschriebene Fahrtrichtung. Die Bebauung der an der Straße liegenden Grundstücke besteht größtenteils aus Wohnhäusern sowie aus einzelnen Bürobauten. Der Kettenhofweg ist eine  bekannte Straße im Westend und erlangte außerdem Berühmtheit durch die Geschehnisse des Frankfurter Häuserkampfes. Joschka Fischer, der spätere Außenminister unter Kanzler Gerhard Schröder machte sich hier einen Namen als Straßenkämpfer.

Geschichte

Kettenhofweg

Kettenhofweg

Der Kettenhofweg mit Blick nach Westen, links ein Teil der Grundstücksmauer des Großen Kettenhofs, 1868
(Aquarell von Carl Theodor Reiffenstein)

Die Gegend westlich der Stadt, jenseits des Bockenheimer Tores der Frankfurter Stadtbefestigung wurde von Alters her Niedenau genannt, eine Bezeichnung, die dort noch heute in den Straßennamen Niedenau und Neue Niedenau lebendig ist. Bereits im Sätmittelalter  lagen hier Wehr- und Gutshöfe mit Gärten, die teils synonym bezeichnet wurden. 1372 trat der Stadtschultheiß  Siegfried zum Paradies seinen „garten genand Nydennauw“ an Rule Snabel ab 1397 besaß Brune von Brunfels „huss, hoff, grabin und umbfang vor Franckenford gnant Nydenauwe“.[2]

Der Hof wechselte mehrfach in adligem und patrizischem Besitz, meist durch Erbfolge, und wurde ab dem 15. Jahrhundert auch Groß-Niedenau genannt. Das Gegenstück Klein-Niedenau bezeugte erstmals 1419 eine Urkunde als im Besitz des Gerlach von Ergersheim und hatte dann ebenfalls verschiedene Besitzer aus hochstehenden Frankfurter Familien. Ab dem 16. Jahrhundert kam noch ein Hof Mittel-Niedenau hinzu, der auch nach den Zerstörungen der Belagerung von 1552 noch Erwähnung fand.

1560 wurde urkundlich erstmals „der stainen stock Koeten ode“ genannt, wobei unklar bleibt, ob dieser mit einem der vorgenannten früheren Höfe identisch ist. Denkbar aber unbewiesen ist, dass die Höfe des Mittelalters bei der genannten Belagerung – wie fast alle derartige Anlagen im Stadtgebiet – zerstört und anschließend von neuen Besitzern errichtet wurden. Dagegen spricht, dass der Hof bereits seit 1536 jährlich 16 Gulden an das Katharinenkloster zinste und auf dem Belagerungsplan von 1552 als brennend dargestellt wird, was zugleich die älteste bekannte bildliche Aufnahme des Hofs ist. Erster nachweisbarer Besitzer war ein Johann Koet, der ihm auch seinen Namen gab, später wurde der Name des Hofs zu Ketten-Hof verballhornt, alternative Bezeichnungen waren zeitweise auch nur Oede, Groß-Eidenau oder Groß-Neidenau.

Kleiner Kettenhofweg 1857

Kleiner Kettenhofweg 1857

 

Seit 1690 bis 1877 befand sich der Hof, der zu einem unbekannten Zeitpunkt in einen Kleinen und Großen Kettenhof zerteilt und später wieder zu einem zusammengeführt wurde, im Besitz der Frankfurter Patrizierfamilie Günterrode. Bis ins späte 19. Jahrhundert führte der Kettenhofweg als unbefestigter Feldweg von der damals Bockenheimer Chaussée genannten Bockenheimer Landstraße nach Westen durch landwirtschaftlich genutzte Flächen zu den beiden unmittelbar einander benachbarten Höfen. Diese befanden sich ungefähr in der Gegend der Kreuzung des Kettenhofwegs mit der heutigen Arndtstraße.

„Hinter dem sehr geräumigen, mit Scheuern und Stallungen und anderen Gebäuden besetzten Hofe befindet sich ein breiter Wassergraben und in dessen Mitte der steinerne Stock oder das alte Wohngebäude, sonst auch Kothenöde genannt, woran noch einige Schießlöcher wahrzunehmen sind.
Karte Ravenstein 1861

Karte Ravenstein 1861

Der Kettenhofweg auf dem Frankfurter Stadtplan von Ravenstein aus dem Jahr 1862, links oben im Kartenausschnitt sind die beiden Kettenhöfe eingezeichnet

In den 1890er-Jahren ließen die damaligen Besitzer die verblieben Hofbauten abreißen und führten die Grundstücke größtenteils Straßenbauprojekten im hier entstehenden südlichen Westend zu Als sich die Bebauung außerhalb der Frankfurter Wallanlagen immer weiter nach Westen ausdehnte, waren zunächst die zum Anwesen gehörenden Wiesen und Felder entlang des Kettenhofwegs mit Wohnhäusern bebaut worden. Der Kettenhofweg erhielt erstmals eine feste Straßendecke und wurde nach Westen bis nach Bockenheim verlängert. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich an der nördlichen Seite des Kettenhofwegs in Höhe der heutigen Schumannstraße außerdem das Gelände einer chemischen Fabrik.

In den 1970er-Jahren, zur Zeit des Frankfurter Häuserkampfs, sollte der Kettenhofweg für immer sein Aussehen ändern. Im “Fünf Finger Plan“ war er als Standort für Bürohochhäuser ausgewiesen. 1972 und 1973 kam es am besetzten Haus Nummer 51 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Abrissgegnern. Zu dieser Zeit entstanden auch an der Kreuzung Ulmenstraße die umgangssprachlich nach ihrem prominenten Miteigentümer als Bubis-Türme bezeichneten Bürohochhäuser 37 – 39. Die 67 m hohen Doppeltürme wurden 2008/2009 für gemischte Gewerbe- und Wohnnutzung umgebaut.

Im Jahr 2003 wurde durch die Allianz AG ein Häuserblock am östlichen Ende der Straße komplett umgestaltet, der seitdem unter dem Namen mainbuilding firmiert.

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