Die Frankfurter Messe – Entstehung und Mittelalter

Torhaus der Messe Frankfurt

Torhaus der Messe Frankfurt heute

Seit mehr als 800 Jahren ist Frankfurt als Messeplatz bekannt. Damals trafen sich Händler und Geschäftsleute am Römer, dem Marktplatz mitten im Stadtkern, ab 1909 auf dem neuen Gelände an der Festhalle.

Geschichte im Mittelalter und in der Renaissance

Die Frankfurter Messe im Mittelalter

Die Frankfurter Messe im späten Mittelalter

Wohl die wichtigste aller Grundbedingungen, die Frankfurt am Main zu einem herausragenden Handelsplatz machten, war die günstige geographische Lage. Der Main besaß seit dem Mittelalter höchste Bedeutung für die Beförderung von Gütern. Durch seinen Übergang in den Rhein verband er in nicht allzu großer Entfernung die großen Wirtschaftsräume Oberdeutschlands und der norddeutschen Hanse miteinander. Auf dem Landweg kreuzten sich hier wichtige Fernstraßen, die die Stadt u. a. mit dem südlichen Niedersachsen, Thüringen, dem deutschen Südosten und somit auch Oberitalien und dem Balkanraum verbanden.

Bereits die Karolinger hatten diese strategische Position mit der hier von Ludwig dem Frommen errichteten Kaiserpfalz politisch zu nutzen gewusst. Nach einem nach heutigen Kenntnisstand nur kurz währenden Niedergang in der Zeit der sächsischen und salischen Herrscher errichteten die Staufer unter Konrad III. Mitte des 12. Jahrhunderts eine Königsburg am Main. Binnen kurzer Zeit wuchs die bis dato wohl nur dorfähnlich um die verfallenen Pfalzgebäude auf dem Domhügel und die Salvatorkirche gruppierte Siedlung nun zu einer mittelalterlichen Stadt heran.

Während bei St. Denis bei Paris bereits im 7. Jahrhundert eine Messe urkundlich bezeugt wurde und ähnliche Nachweise für viele weitere europäische Handelsstädte in das 10. und 11. Jahrhundert datieren, ist dies für Frankfurt erst deutlich später der Fall. Um oder kurz nach 1150 sprach der Rabbi Eliezer ben Nathan aus Mainz (* um 1090; † um 1170) in seinem Talmud-Kommentar („Eben ha-‘Ezer“ = „Stein der Hilfe“) von „Israeliten, die zum Markt / zur Messe der Gojim, wie in Frankfurt kommen“. Dies fällt zusammen mit der Entwicklung der Stadt, die etwa 150 Jahre brachgelegen und nun mit dem Ausbau zu einem staufischen Machtzentrum und spätestens der Wahl Friedrich Barbarossas im Jahr 1152 wieder, wie schon in karolingischer Zeit, zu einem der großen Zentren des Reiches aufgestiegen war.

Noch ältere Urkunden deuten darauf hin, dass die Stadt bereits im 11. Jahrhundert zumindest als wichtiger Handelsplatz fungierte. Im Jahr 1034 wurde dem St.-Ferrutius-Kloster zu Bleidenstadt und im Jahr 1074 den Einwohnern von Worms in Frankfurt Freiheit von Durchgangszöllen gewährt, wobei der Name Frankfurt nur in der zweitgenannten Urkunde fällt. Dies ist zunächst nur ein Beweis dafür, dass Frankfurt als Ort eines Mainzolls für den königlichen Fiskus diente. Jedoch verrät die Wormser Urkunde sowie eine kaiserliche Verfügung vom 6. April 1157 auch, dass die Frankfurter Zollstätte über längere Zeiträume die einzige ihrer Art am Main war.

Die erste schriftlich dokumentierte Erwähnung einer Messe in Frankfurt stammt aus dem Jahr 1150. Hochoffiziell mit Brief und Siegel aus der Taufe gehoben wurde die Frankfurter Herbstmesse am 11. Juli 1240 durch Kaiser Friedrich II. Per kaiserlichem Privileg wurden die zur Messe reisenden Kaufleute unter den Schutz des Kaisers gestellt. Dieses Messeprivileg für Frankfurt wurde von dem weltoffenen Staufer während der Belagerung der italienischen Stadt Ascoli unterzeichnet.

Die Frankfurter Frühjahrsmesse erhielt am 25. April 1330 das Privileg von Kaiser Ludwig IV. Fortan gibt es zwei Termine im Frühjahr und im Herbst. Die Grundstruktur für heutige Konsumgütermessen ist bereits hier sichtbar.

Im 16. Jahrhundert wurde die kaiserlich privilegierte Messestadt endgültig zum Umschlagplatz des internationalen Fernhandels. Das Warenangebot war so vielfältig wie das der Zahlungsmittel. Die Frankfurter Börse brachte seit 1585 Ordnung in Münzen und Wechsel und die Grundlage für die spätere Entwicklung Frankfurts zur Finanz-Metropole wurde gelegt.

Es war nicht das letzte Mal, dass sich die Geschicke der Stadt und der Messe direkt beeinflussten, schließlich sind über 850 Jahre der über 1.200-jährigen Stadtgeschichte auch Messegeschichte. Die Ereignisse des Jahres 1585 zeigen deshalb besonders deutlich, wie eng Handel, Messe und Geldgeschäft in Frankfurt am Main verbunden sind.
Frankfurter Messen im Mittelalter

Die Frankfurter Messen erwiesen sich als feste Größen in der Stadtentwicklung. Aus dem “Kaufhaus der Deutschen” war schon zu Zeiten Luthers ein “wimmelnder Markt für die Waren der Welt” geworden. Bis zu 40.000 Messegäste fanden sich zu den Messen in der Mainstadt ein, mehr als ‘Francofurtia’ seinerzeit an Einwohnern zählte. Bis zu einem Viertel der Händler stammten bereits im frühen 17. Jahrhundert aus dem Ausland.

Die Frankfurter Messen erlebten ihren ersten Höhepunkt als Umschlagplatz im internationalen Warengeschäft. Eine Blüte, die bis ins späte 18. und frühe 19. Jahrhundert reichhaltig Früchte ansetzte. Dennoch war nicht zu übersehen, dass sich der Schwerpunkt des europäischen Handels nach Osten verlagerte. Besonders in Sachsen wurde eine liberalere Handels- und Industriepolitik betrieben, zu der sich die Freie Stadt Frankfurt bis 1864 nicht entschließen konnte.

Das deutliche Nachlassen des Messegeschäftes in Frankfurt muss aber auch vor dem Hintergrund neuer Vertriebsformen gesehen werden. Über Jahrhunderte hinweg waren Messen reine Warenumschlagplätze, auf denen Anbieter ihre handwerklich gefertigten Waren direkt “ab Stapel” verkauften. Zu Messezeiten wurde die Stadt so zu einem riesigen Warendepot. Mit der aufkommenden industriellen Produktion, wandelte sich auch die Form der Distribution. Serienproduktion und hohe Stückzahlen bei gleicher Qualität machten die Warenmesse entbehrlich. So reisten immer mehr Aussteller mit Produktmustern an. Das Prinzip der Mustermesse war geboren und setzte sich zusehends durch.

Messefreiheit

Die während der Messe garantierte Messefreiheit beinhaltete eine Reihe von besonderen Rechten:

Jeder Bürger, Nicht-Bürger und Fremde durfte Waren anbieten und verkaufen. Jeder Frankfurter Bürger durfte auch Fremde beherbergen.
Auch die in Reichsacht befindlichen Menschen waren während der Messe sicher. Sie genossen freies Geleit.
Die Messebesucher hatten Gerichtsschutz. Das bedeutete, dass kein Messebesucher wegen eines laufenden Verfahrens während der Messe gerichtlich belangt werden durfte. Hierzu zählte auch das Privileg des Messegerichtsstandes, wonach für Arreste von Messebesuchern das Frankfurter Schöffengericht und nicht das der jeweiligen Heimatstadt zuständig war. Das ergab sich aus den erwähnten Kaiserlichen Privilegien von 1360, 1376 und 1465.
Außerdem unterfielen die Besucher dem Geleitschutz. Dieser wurde von Geleitsherren ausgeübt, die die Händler – gegen Geleitsgeld – auf dem Weg von und nach Frankfurt vor Dieben schützten. Das Geleit erstreckte sich zunächst auf einen Umkreis von fünf Meilen um die Stadt.

Ablauf der Messe

Die vier Tage vor Messebeginn galten als die „Geleitswoche“. Die Waren wurden ausgepackt und erste größere Geschäfte abgeschlossen, bevor noch die Läden und Stände öffneten. Die erste Messewoche war dann die „Geschäftswoche“; das war die eigentliche Messewoche, in der die Handelsabschlüsse getätigt wurden. Daran schloss sich als zweite Messewoche die „Zahlungswoche“ an. Hier wurden die Rechnungen aus den vorangegangenen Messen beglichen. So war die Frankfurter Messe nicht nur Handelsplatz, sondern diente auch als Zahlungstermin.

Ab Dienstag der Folgewoche zogen die Kaufleute mit Geleit wieder aus Frankfurt ab. Während der Herbstmesse handelten auch in der dritten Woche noch bis zum Samstag Kleinhändler mit landwirtschaftlichen Produkten. Einen festen Messeplatz oder ein Messegebäude gab es damals nicht. Als Handelsplätze wurden das Mainufer, der Römerberg, die Neue Kräme, der Liebfrauenberg, der Heumarkt und der Rossmarkt genutzt.

Die Frankfurter Messe ist heute eine der bedeutendsten Messeplätze der Welt und muß sich vor der Konkurrenz nicht verstecken.

Der Messeturm oder "Bleistift" genannt.

Der Messeturm oder “Bleistift” genannt, heute

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