Frankfurts Geschichte in Zahlen – 3000 v.Chr – 1999

 

Wappen der Stadt Frankfurt am Main

Wappen der Stadt Frankfurt am Main

 

Institut für Stadtgeschichte

zusammengestellt von Helmut Nordmeyer

 

Zeittafel zur Frankfurter Geschichte
3000 v.Chr.
Seit dem Jungneolithikum suchen Menschen den Frankfurter Domhügel auf.
83 n.Chr.
Unter Kaiser Domitian entstehen in römischer Zeit auf dem Domhügel eine Siedlung
und eine
militärische
Nachschubbasis für das Römerkastell Nida (bei Heddernheim).
um 260
Alemannen überfallen und besetzen die Siedlung am Main.
nach 531
Die Franken lösen die Alemannen in der Herrschaft über das Untermaingebiet ab. Auf
dem Domhügel entsteht ein fränkischer Königshof.
794
Unter Karl dem Großen wird
Franconofurd
erstmals urkundlich erwähnt.
815 – 822
Ludwig der Fromme läßt auf dem Domhügel eine repräsentative Pfalzanlage errichten.
852
Die Pfalzkapelle (St. Salvator, später St. Bartholomäus) wird als Vorläuferbau des
heutigen Doms geweiht. Frankfurt ist neben Regensburg der Hauptsitz des
ostfränkisches Reichs.
um 1140
Nach Verfall der alten Pfalz wird am Rande des Domhügels eine neue königliche
Burganlage, der Saalhof, errichtet. Auf dem ehemaligen Pfalzgelände siedeln sich
Kaufleute und Handwerker an.
1147
Erste sicher bezeugte Königswahl in Frankfurt.
1150
Erste Erwähnung der Frankfurter Messe (Herbstmesse).
1219
Friedrich II. schenkt den Frankfurter Bürgern, die in diesem Zusammenhang erstmals
als Bürgerverband genannt werden, einen Platz zur Errichtung einer Kapelle
(Leonhardskirche).
1220
Friedrich II. hebt die hofrechtliche Vogtei in Frankfurt auf. An die Stelle des Vogts tritt
der kaiserliche Stadtschultheiß.
1222
Erste Erwähnung einer steinernen Brücke über den Main.
1240
Friedrich II. verspricht den Gästen der Frankfurter Messe königlichen Schutz für Hin-
und Rückreise.
1241
Die Frankfurter Judengemeinde geht in einem Pogrom unter. Erst um 1255 siedeln sich
erneut Juden in der Stadt an. Ein Steuerverzeichnis weist Frankfurt als die wirtschaftlich
bedeutendste Königsstadt im deutschen Reich aus.
1254
Im Interregnum tritt Frankfurt dem Rheinischen Städtebund bei, dessen Mitglieder einen
allgemeinen Landfrieden schließen
1266
Neben dem vom König bestellten Schultheißen werden in den Urkunden erstmals
Ratsherren als Vertreter der Bürgerschaft genannt
1297
Schultheiß, Schöffen, Rat und Bürger zeichnen eine Auswahl von Frankfurter Rechten
und Freiheiten auf (sog. Erstes Stadtrecht).
1311
Erste Erwähnung von zwei aus dem Rat gewählten Bürgermeistern, die schrittweise die
Funktionen des Schultheißen übernehmen.
1320
Mit der Einführung einer festen Stadtsteuer entsteht in Frankfurt eine städtische
Steuerverwaltung.
1329/30
Die Frankfurter Bürger erhalten im ganzen Reich Zollfreiheit. Außerdem erlaubt Kaiser
Ludwig der Baier der Stadt, eine zweite Messe abzuhalten (Fasten- bzw.
Frühjahrsmesse).
1333
Kaiser Ludwig gestattet die Erweiterung der Stadt. Die Neustadt wird durch eine neue
Stadtmauer und eine Landwehr gesichert. Die alte Befestigung (Staufenmauer) wird
nach und nach geschleift.
1349
Die Frankfurter Judengemeinde geht in einem Pogrom ein zweites Mal unter. Erst 1360
kommt es zu einer Wiederansiedlung.
1356
Mit der
Goldenen Bulle
, dem Reichsgrundgesetz, wird Frankfurt endgültig zur Stätte der
deutschen Königswahl.
1366
Ein Aufstand der Zünfte gegen die patrizische Ratsoligarchie wird niedergeschlagen.
1372
Mit Übernahme der Reichspfandschaft über das Schultheißenamt, den Reichswald und
die halbe Judensteuer festigt die Stadt ihre Stellung gegenüber dem König.
1389
Die Beteiligung Frankfurts am Krieg des Rheinischen Städtebunds endet mit der
Niederlage bei Kronberg.1405
Erwerb der Häuser Zum Römer und Zum Schwan durch den Rat und Umbau zum
Rathaus.
1418
König Sigmund richtet in Frankfurt eine Reichsmünze ein.
1462
Die Frankfurter Juden werden auf kaiserlichen Befehl in ein Ghetto am Rande der Stadt,
die Judengasse, umgesiedelt.
1478
Auf der Frankfurter Messe sind erstmals auch Buchhändler vertreten.
1500
Frankfurt hat etwa 10.000 Einwohner.
1509
In der
Frankfurter Reformation
wird das Frankfurter Recht auf der Basis des Römischen
Rechts erstmals systematisch kodifiziert.
1519/20
Berufung des Lutheranhängers Wilhelm Nesen zum ersten Lehrer an der
neugegründeten städtischen Lateinschule.
1522/24
Erste reformatorische Predigten in Frankfurt.
1525
Auf dem Höhepunkt des Bauernkrieges entladen sich aufgestaute religiöse, soziale und
politische Spannungen in einem Aufstand der Zünfte. Die Aufständischen fassen ihre
Beschwerden in den
46 Frankfurter Artikeln
zusammen.
seit 1530
Frankfurt entwickelt sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem Zentrum des
Buchdrucks und Buchhandels in Europa.
1531
Der Allgemeine Almosenkasten wird als weltliche Fürsorgeinstitution eingerichtet.
1533
Offizielle Einführung der Reformation.
1536
Frankfurt tritt dem Schmalkaldischen Bund bei.
1546/47
Der Schmalkaldische Krieg endet mit dem Sieg Kaiser Karls V. bei Mühlberg.
1548
Durch das vom Augsburger Reichstag beschlossene
Interim
wird Frankfurt faktisch zu
einer gemischtkonfessionellen Stadt.
1552
Erfolglose Belagerung Frankfurts durch sächsische und hessische Truppen.
1555
Der Augsburger Religionsfriede regelt die Bikonfessionalität im Reich und damit auch in
Frankfurt. In der Stadt lassen sich zunehmend protestantische Glaubensflüchtlinge aus
den Spanischen Niederlanden und aus England nieder.
1562
Seit der Wahl und Krönung Kaiser Maximilians II. gilt Frankfurt nicht mehr nur als Wahl-,
sondern auch als Krönungsort.
1585
Mit der Festlegung von Wechsel- und Geldkursen durch Messebesucher entwickelt sich
ein regelrechter Börsenverkehr.
1612 – 1614
Ein Verfassungsstreit zwischen Rat und Bürgerschaft mündet in Unruhen, in deren
Verlauf auch die Judengasse geplündert wird. Durch Eingreifen des Kaisers wird der
Aufstand niedergeschlagen. Der Führer der Aufständischen Vincenz Fettmilch und
einige seiner Genossen werden 1616 auf dem Roßmarkt enthauptet.
1631 – 1635
Während des Dreißigjährigen Kriegs ziehen die Schweden durch Frankfurt. In
Sachsenhausen wird eine schwedische Garnison stationiert. In der Stadt bricht die Pest
aus.
1685
Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes strömen hugenottische Glaubensflüchtlinge
nach Frankfurt.
1708 – 1732
Kaiserliche Kommissionen untersuchen im Streit zwischen der Frankfurter Bürgerschaft
und dem Rat die Verfassungs- und Finanzverhältnisse der Stadt. Aufgrund kaiserlicher
Resolutionen kommt es zu einer Verwaltungsreform und zur Einsetzung eines
Bürgerausschusses zur Kontrolle des städtischen Finanzwesens.
1711/19
Durch zwei große Brände werden die Judengasse und große Teile der Altstadt zerstört.
Als Konsequenz erläßt der Rat eine neue Bauordnung.
1742 – 1745
Unter Kaiser Karl VII. wird Frankfurt für kurze Zeit zur Residenzstadt.
1749
Johann Wolfgang Goethe wird in Frankfurt geboren.
1759 – 1763
Im Siebenjährigen Krieg wird Frankfurt von den Franzosen besetzt. Auf französische
Initiative hin werden Straßenbeleuchtung, Straßenbeschilderung und
Häusernummerierung verbessert.
1763
Der Arzt Johann Christian Senckenberg stiftet sein Vermögen zur Förderung der
Medizin und verschiedener Naturwissenschaften.
1792
In Frankfurt findet letztmalig eine Kaiserkrönung statt (Franz II.). Wenig später wird die
Stadt von französischen Revolutionstruppen besetzt. Weitere Besetzungen erfolgen
1796, 1800 und 1806
1800
Frankfurt hat etwa 35.000 Einwohner.
1805
Auf Beschluß des Rats beginnt man mit der Schleifung der Befestigungen. Die
Wallanlagen werden in einen Park umgewandelt.
1806
Frankfurt wird Karl Theodor von Dalberg, dem Fürstprimas des Rheinbunds, unterstellt
und 1810 zum Großherzogtum erhoben. Dalberg führt in Frankfurt eine grundlegende
Justiz- und Verwaltungsreform durch.
1813
Nach der Niederlage Napoleons wird Dalberg von alliierten Truppen aus Frankfurt
vertrieben. Mit Wiedereinführung der reichsstädtischen Verfassung werden die meisten
seiner Reformen zurückgenommen.
1815
Errichtung des Deutschen Bundes durch den Wiener Kongreß. Frankfurt wird Freie
Stadt und zudem Sitz des Bundestags.
1816
Die reichsstädtische Verfassung wird durch die Constitutions-Ergänzungs-Acte
modifiziert.
1833
Mit dem
Wachensturm
wollen Studenten, Landleute und polnische Offiziere den
Bundestag stürzen und die Republik einführen. Wegen schlechter Organisation und
mangelnder Unterstützung durch das Bürgertum bricht der Aufstand innerhalb kürzester
Zeit zusammen.
1836
Frankfurt schließt sich dem Deutschen Zollverein an.
1839
Mit Eröffnung der Taunusbahn nach Wiesbaden hält die Eisenbahn Einzug in Frankfurt.
1848/49
Die Deutsche Nationalversammlung tagt in der Paulskirche. Sie verabschiedet die
deutschen Grundrechte und eine neue Reichsverfassung. Die Zurückweisung der
Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen läßt die Reformbemühungen der
Paulskirchenversammlung jedoch scheitern.
1866
Frankfurt wird von Preußen annektiert.
1867
Frankfurt hat rund 78.000 Einwohner.
1877
Mit der Eingemeindung von Bornheim beginnt die Stadterweiterung Frankfurts im 19.
Jahrhundert. Weitere Eingemeindungen folgen ab 1895.
1880
Einweihung der Frankfurter Oper (Alte Oper), deren Bau weitgehend durch Spenden
reicher Bürger finanziert wurde.
1888
Einweihung des Hauptbahnhofs.
1890
Frankfurt hat rund 180.000 Einwohner.
1891 – 1912
Unter Oberbürgermeister Franz Adickes entwickelt sich Frankfurt zu einer modernen
Industrie- und Handelsstadt. Mit bedeutenden Veranstaltungen und Ausstellungen
knüpft man an die alte Tradition der Messen an.
1905
Frankfurt hat rund 400.000 Einwohner.
1914
Gründung der Frankfurter Universität als einer bürgerlichen Stiftungsuniversität.
1914 – 1918
Während des Ersten Weltkriegs steigt die Arbeitslosigkeit stark an.
Versorgungsengpässe führen zu Hungersnöten.
1918
Die Novemberrevolution führt zur Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrats.
1925 – 1930
Der auf Betreiben von Oberbürgermeister Ludwig Landmann nach Frankfurt berufene
Ernst May errichtet als Stadtbaurat zahlreiche neue Siedlungen und schafft so das
Neue Frankfurt
.
1926
Am Rebstock wird der Frankfurter Flughafen, der bereits vor dem Krieg als Landeplatz
für Luftschiffe bestanden hatte, neu eingeweiht. Gründung des Vereins zum Bau einer
Autobahn Hamburg-Frankfurt-Basel (HAFRABA).
1928
Durch Eingemeindung von Höchst, Nied, Griesheim, Sossenheim, Schwanheim und
Fechenheim wird Frankfurt zur flächenmäßig drittgrößten Stadt Deutschlands. Die Stadt
hat 548.000 Einwohner.
1933
Nach der Kommunalwahl im März erobern die Nationalsozialisten das Rathaus.
Oberbürgermeister Landmann wird aus seinem Amt vertrieben und flüchtet über Berlin
in die Niederlande, wo er 1945 stirbt.
1938
Zerstörung von Synagogen und jüdischen Einrichtungen in der Pogromnacht am 9./10.
November.
1941 – 1944
Von Oktober 1941 an werden insgesamt 9415 Juden aus Frankfurt deportiert und inKonzentrationslagern ermordet. Über 700 entziehen sich der Deportation durch
Selbstmord.
1943/44
Innenstadt und Altstadt Frankfurts werden durch Luftangriffe fast vollständig zerstört.
1945
Am 26./29. März besetzen amerikanische Truppen die Stadt.
1946
Mit dem Beginn der Trümmerbeseitigung durch eine großangelegte Bürgeraktion setzt
in der Stadt der Wiederaufbau ein.
1947
Frankfurt wird zum Sitz des vereinigten Wirtschaftsgebiets der amerikanischen,
britischen und französischen Zone. Über die hier geschaffene
Bank deutscher Länder
wird ein Jahr später die Währungsreform organisiert und durchgeführt.
1948
Am 18. Mai finden in der wiederaufgebauten Paulskirche die Feiern zum 100. Jahrestag
der Deutschen Nationalversammlung statt.
1949
Frankfurt und Bonn stehen als mögliche Hauptstadt der neuen Bundesrepublik
Deutschland zur Diskussion. Die Wahl fällt auf Bonn. Frankfurt und das Rhein-
Maingebiet entwickeln sich schnell zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum.
Frankfurt wird in der Folgezeit zu einem der führenden Finanzplätze Europas. Im Mai
wird auf dem Frankfurter Flughafen der zivile Luftverkehr wieder aufgenommen. Bereits
1950 werden rund 200.000 Passagiere abgefertigt.
1955
Frankfurt hat erstmals mehr als 600.000 Einwohner.
1958
Der Frankfurter Flughafen wird zum ersten Düsenverkehrsflughafen Deutschlands.
1959 startet das erste Düsenflugzeug nach New York. Die Zahl der Passagiere steigt
von 9,5 Millionen im Jahre 1970 auf 32,5 Millionen im Jahre 1993.
1968
Eröffnung der ersten U-Bahnlinie.
1972
Gründung des Frankfurter Verkehrsverbundes (FFV).
1975
Der Umlandverband Frankfurt übernimmt die Regionalplanung im Untermaingebiet.
1984
Mit der Eröffnung des Filmmuseums und des Deutschen Architekturmuseums beginnt
der Ausbau des
Museumsufers
.
1995
Im Eurotower, dem ehemaligen BfG-Hochhaus, nimmt das Europäische
Währungsinstitut, Vorläufer der heutigen Europäischen Zentralbank, seine Arbeit auf.
1997
Seit Anfang der 80er Jahre wird das Bild der Innenstadt zunehmend von Hochhäusern
bestimmt. Der Messeturm (256 m) und der 1997 fertiggestellte Commerzbanktower
(258 m) zählen zu den höchsten Bürohochhäusern Europas.
1999
Mit der ersten Stufe der Einführung des
Euros
rückt die Tätigkeit der Europäischen
Zentralbank verstärkt ins Blickfeld

copyright: Helmut Nordmeyer

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