Martin Luther, geb. Martin Luder – 500 Jahre Reformationstag

 

Martin Luther - Der angebliche Genußmensch

Martin Luther – Der angebliche Genußmensch

Den einen oder anderen Beitrag über Martin Luther haben wir ja schon veröffentlicht. Jetzt aber, 1917 jährt sich die Reformation zum 500. mal, kommen wir öfters auf diese schillernde Figur des 16. Jahrhunderts zurück.

Eigentlich ist Martin Luther im Volksmund als derber und hemmungsloser Genußmensch bekannt. Ihm werden einige derbe Sprüche nachgesagt, so zum Beispiel die Aussage:

Was furzet und rülpset Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmacket?

Allgemein sagt man, daß er viel trank und hemmungslos tafelte. Natürlich, im Gegensatz zu seinem Freund Philipp Melanchthon, einem hageren Asketen der täglich 18 Stunden arbeitete, war Luther ein wahrer Genußmensch. Melanchthon, der wichtigste Mitarbeiter Luthers soll all das geschrieben haben, was Luther nicht schreiben konnte oder wollte. Als Melanchthon eines Tages seinem Freund Luther klagte, wie sehr ihn dessen Sündenlast bedrücke, antwortete dieser mit den Worten: “Sündige tapfer und bete fleißig!”

An Luthers Tafel wurde nicht nur gegessen und getrunken sondern auch viel geredet und gearbeitet.

Ein Wandbrunnen, der dem Lösen der Gallustinte diente, ist selbst im Refektorium denkbar, denn sein 1540 im Hause lebender Tischgenosse Johannes Mathesius berichtete, Luther habe selbst bei Tisch an Texten gearbeitet: Über und nach Tische schrieb er oft den Seinigen vor, die predigen wollten. So machte er das schöne Buch, seinen Matthäus, nach dem Abendessen seinem Tischgesellen Dr. Weller und hat über Tische den 23. Psalm geschrieben. So mußte er oft nach Tisch korrigieren. Überhaupt, er kam auch selten an

den Tisch, daß er nicht ein Buch mit sich brachte. Und so erklärte er auch am Tische viele schöne köstliche Texte und es fiel ein guter Bericht, wenn man nach Gelegenheit etwas aus der Schrift zu fragen hatte. Doch es wurde beim Essen nicht nur gebetet, gelesen, zugehört, diskutiert, das Neueste berichtet und sogar gearbeitet – Luther liebte den Frohsinn und wollte damit alle Traurigkeit und Sorge vertreiben. Mathesius berichtet von Luthers Sprüche wie zum Beispiel:” Ich soll und muß heute fröhlich sein, denn ich habe böse Zeiten gehört. Dawider dient nichts besser denn ein stark Vaterunser und guter Mut. Das verdrießt den melancholischen Teufel, daß man noch will fröhlich sein.” Und: “Auf böse und traurige Gedanken gehört ein gut und fröhlich Liedlein und freundlich Gespräch”, sagte er oft.

Zu den überlieferten Tischsprüchen Luthers gehört auch:

Iss, was gar ist,

trink, was klar ist,

red, was wahr ist!

Mathesius sagt zur angeblichen Genußsucht Luthers: Ob er wohl einen gewaltigen Leib hatte, aß und trank er wenig und selten etwas Besonderes, ließ sich an gemeiner Speise genügen.

Im Alter von 42 Jahre heiratete Martin Luther seine Frau Katharina von Bora in Wittenberg, am 13. Juni 1525. Die Trauung nahm Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen vor. Nach der Hochzeit pausierte der Doktor Luther mit Vorlesungen, Predigten und seiner Korrespondenz. Später äußerte er sich warm über die “Küssenwochen”, wie  er sie nannte. Ein allzu stürmischer Liebhaber jedoch dürfte er nicht gewesen sein. Er schrieb in dieser Zeit an Amsdorf: “Ich brenne nicht, abre ich lebe die Gattin”. Später sagte er: Nun säße er bei Tische nicht mehr allein und bei Erwachen sähe er ein Paar Zöpfe neben sich liegen.

Zur Hochzeit von Martin Luther und Katharina von Bora gab es folgendes Menü für die Hochzeitsgesellschaft.

Gepökelt Brust-Fleysch von jungen Rindlin auf einer Tunke von Spinadt und Löwenzahn

Gesotten Eyer mit Kräutern & Zwiblin & Bärlauch & gerauchten Wanst von fetten Sauen

Im Ofen gebratener Nacken von jungen Schweynen auf Gelben Rüblin mit Sauer Kraut

Süße Eyerspeys mit Mandlin, Rosinlin und Sauer Äpflin

Das Bier das Luther trank wurde später von seiner Frau Katharina selbst gebraut.

Es sollte sich jeder ein eigenes Bild von Martin Luther machen, so er denn daran interessiert ist. Auf jeden Fall steht fest, das Luther unser Land Deutschland stark geprägt hat und an unserer freiheitlichen Ordnung gestaltet hat.

 

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