Frankfurter Polizei durch 700 Jahre Geschichte

 

 

Die Geschichte der Polizei in Frankfurt reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück.  Zur damaligen Zeit gab es allerdings nur eine “Gesundheitspolizei” und eine “Marktpolizei”. Ich werde versuchen mehr über die mittelalterliche “Polizei” in Frankfurt heraus zu finden und entweder separat oder in diesem Artikel zu veröffentlichen. Dazu werde ich die Lersnersche Chronik zu Rate ziehen.

Geschichte

Polizeipräsidium an der Neuen Zeil/Ecke Klingerstraße, um 1888

Zweites Polizeipräsidium am Hohenzollernplatz, heute Friedrich Ebert Anlage.

Erste schriftliche Überlieferungen zum Polizeiwesen in Frankfurt am Main stammen aus dem 14. Jahrhundert. Sie berichten über eine Gesundheitspolizei, die die Lebensmittelhygiene auf den Märkten und dem Hafen am Main überwachte. Darüber hinaus gab es eine Marktpolizei, die die Einhaltung von Maßen und Gewichten kontrollierte. Um 1620 wurden zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs  60 Polizeisoldaten angestellt, die anhand ihrer Bewaffnung mit Piken als Piketts bezeichnet wurden und in der Hauptwache Frankfurt am Main (Heute ein Kaffee)  sowie der Konstablerwachestationiert waren.

Anfang des 19. Jahrhunderts in der Zeit des Großherzogtums Frankfurt  entstand nach französischem Vorbild eine aus der allgemeinen Verwaltung herausgelöste Polizei. Die Leitung der Polizei war im Palais Thurn und Taxis  als dem Sitz des Großherzogs untergebracht. In dieser Zeit um 1812 gab in der Stadt Frankfurt nur acht Wachtmeister und 27 Polizeidiener. Auf dem Lande bekämpfte ein Gendarmeriekorps  mit 117 ehemaligen Soldaten das Räuberunwesen. Nach dem Ende des Großherzogtums 1813 wurde Frankfurt zur Freien Stadt und schaffte die Verwaltungsreformen wieder ab. Erst mit der preußischen Besetzung von 1866 erhielt die Stadt wieder ein modernes Polizeiwesen. Mit dem Bezug des neuen Polizeipräsidiums 1886 schuf die Frankfurter Polizei als neue Abteilung die Kriminalpolizei. Nachdem Frankfurt durch Eingemeindungen 1910 über 400.000 Einwohner hatte, wurde die Polizei erheblich verstärkt. 1918 gehörten ihr insgesamt fast 600 Mitarbeiter an. Bei der Novemberrevolution  schuf ein neu gegründeter Arbeiter- und Soldatenrat eine 1800 Mann umfassende Hilfspolizei und einen 120 Matrosen umfassenden Marinesicherungsdienst. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik  lösten sich die Räte auf und die Polizei wurde reorganisiert. 1930 betrug der Personalbestand etwa 1400 Mitarbeiter.

Nach der Machtergreifung 1933 wurde der Polizeipräsident von den Nationalsozialisten durch einen SA-Standartenführer ersetzt. Durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums kam es zu einer Säuberungswelle gegenüber politisch missliebigen Beamten. Durch die Umorganisierung der Polizei 1936 in eine Ordnungs- und eine Sicherheitspolizei entstand eine Frankfurter Gestapodienststelle  mit eigenem Dienstgebäude. 1941 wurde der Polizeipräsident Adolf Beckerle, ein führender SA-Angehöriger abgelöst, da der Posten durch einen höheren SS- Führer ersetzt werden sollte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Frankfurter Polizei zur Verteidigung gegen amerikanische Einheiten eingesetzt, die am 29. März 1945 die Stadt einnahmen.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit nahm die US – Militärregierung in der amerikanischen Besatzungszone  eine Dezentralisierung der Polizei vor. In Frankfurt entstand eine kommunale Polizei mit einer Schutz- und einer Kriminalpolizei. Sie stand unter einer strengen Kontrolle der Militärregierung, die die Polizisten anfangs nur mit Gummiknüppeln ausstattete. Erst im Oktober 1945 erhielt jede Dienststelle eine Schusswaffe. 1946 betrug der Personalbestand der Polizei etwa 1600 Schutzpolizisten und rund 170 Kriminalbeamte.

Polizeipräsidenten

Gebäude

Ab den 1860er Jahren diente der Clesernhof, ein nicht mehr bestehender Gebäudebereich am Römer, als erstes Polizeipräsidium. 1886 entstand auf dem ehemaligen Klapperfeld an der Neuen Zeil ein neues Polizeipräsidium, dessen Polizeigewahrsam bis zum Jahr 2002 in Betrieb war. Wegen der zunehmenden räumlichen Enge an der Zeil wurde 1914 wurde am Hohenzollernplatz  ein neues Polizeipräsidium bezogen. Das Gebäude ist im historischen  Stil in einer Mischung aus Neobarock und Klassizismus  errichtet worden. Bei den Luftangriffen auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 fast zur Hälfte zerstört. Bis zur Wiederherstellung 1954 war ein großer Teil der Polizei an andere Orte im Stadtgebiet ausgelagert worden. Seit dem Auszug der Polizei ins 2002 neu erbaute Polizeipräsidiums steht das als Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz geschützte Gebäude überwiegend leer und wird nur teilweise gewerblich genutzt. 2002 bezog die Polizei das als Neubau entstandene Verwaltungsgebäude des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main am Alleenring.

Spektakuläre Kriminalfälle

Zerstörungen am Hauptquartier des V. US-Korps nach dem Bombenanschlag der RAF  vom 11. Mai 1972
  • 1882 Sprengstoffanschlag auf das Polizeipräsidium im Clesernhof mit Dynamit
  • 1885 Tötung des Leiters der Frankfurter Kriminalpolizei durch ein Messerattentat eines 20-jährigen Anarchisten
  • 1957 Mordfall Rosemarie Nitribitt
  • 1968 Frankfurter Kaufhaus Branstiftungen
  • 1972 Beginn der “Mai Offensive” der linksterroristischen RAF durch Bombenanschlag auf das Hauptquartier des V. US-Corps mit einem Toten
  • 1972 Verhaftung der RAF-Angehörigen Andreas Baader, Holger Meins und Jan Carl Raspe
  • 1985 Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base mit drei Toten durch die RAF und die Action Directe
  • 1985 Sprengstoffanschlag auf den Rhein Main Flughafen mit drei Toten durch ein palästinensisches Terrorkommando
  • 1981–1987 Protestaktionen gegen die Startbahn West mit der  Tötung von 2 Polizeibeamten
  • 1982 Sprengstoffanschläge der rechtsterroristischen Hepp-Krexel-Gruppe auf Kraftfahrzeuge von amerikanischen Armeeangehörigen
  • 1990 Mordserie des Hammermörders an sechs schlafenden Obdachlosen mittels Hammer
  • 1994 Sechsfacher Mord in einem Edelbordell im Kettenhofweg 124 und 124a im Westend
  • 1996–1999 Erpressungsversuch gegen das Unternehmen Thomy durch Nahrungsmittelvergiftung
  • 2000 Festnahme von vier algerichen Islamisten der Meliani-Gruppe wegen Vorbereitung eines Bombenanschlags auf den Straßburger Weihnachtsmarkt
  • 2002 Entführung und Ermordung Jakob von Metzlers
  • 2009–2010 Brandanschläge auf Bankinstitute durch die Bewegung Morgenlicht
  • 2011 Islamistischer Mordanschlag am Frankfurter Flughafen auf amerikanische Soldaten mit zwei Toten

Natürlich gab es auch zu früheren Zeiten spektakuläre Kriminalfälle in Frankfurt, ich werde, wie am Anfang des Artikels gesagt, versuchen einige Fälle zu finden und dann hnier zu veröffentlichen.

Gesühnte Verbrechen im Mittelalter und der Neuzeit, ein kleiner Auszug von Criminalfällen in Frankfurt:

1570 – Thomas Rudolph, reisender Schüler, Dieb und Mörder, gefoltert und hingerichtet.

1584 – 1585 Philipp Dossenheimer, Mörder und Straßenräuber, gefoltert und zum Tode durch das Schwert verurteilt, beerdigt auf dem Gutleutfriedhof.

1593 – Barbier Hans Jakob Knab, alias Freiherr Hans Jakob zu Waldeck, Betrüber, Zechpreller, hingerichtet durch das Schwert.

1593 – Wilhelm Bechthold, Steinmetz, Mörder, hingerichtet durch das Schwert.

1606 – 1608 Hans Reible, Mörder, hingerichtet durch Köpfen mit dem Schwert,

1615 Samuel aus Prag, Meisterdieb und Juwelendieb, an den Füßen aufgehangen und sogleich stranguliert worden.

(Wird fortgesetzt)

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