“Graue Nazibusse” in Frankfurt

In der FNP erschien folgender Artikel über die Wanderausstellung “Graue Busse”.

Das reisende Denkmal „die grauen Busse” erinnert von Samstag an in Frankfurt an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde. Die 70 Tonnen schweren Betonbusse stehen für die grauen Postbusse, in denen Patienten mit psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen in sogenannte Tötungsanstalten transportiert wurden. Auch im mittelhessischen Hadamar wurden Tausende durch Vergasungen, Giftinjektionen, Medikamente oder Verhungern ermordet. Unter ihnen waren mehr als 1000 Menschen aus Frankfurt.

Frankfurt ist die 20. Station der Reise des Denkmals, das unter anderem schon in Berlin, Köln und München zu sehen war. Die „grauen Busse” stehen bis Ende Mai auf dem Rathenauplatz in der Frankfurter Innenstadt. Begleitend zum Denkmal sind Vorträge, Ausstellungen und andere Veranstaltungen geplant.

Das reisende «Denkmal der Grauen Busse». Foto: Frank Rumpenhorst

 

 

 

 

 

 

„Wohin bringt ihr uns?“

Stempel

Mehr als 1.000 Frankfurterinnen und Frankfurter mit psychischen Krankheiten oder geistigen Behinderungen wurden zwischen Januar und August 1941 in der Gaskammer der NS-„Euthanasie“-Anstalt Hadamar bei Limburg ermordet. Grau gestrichene ehemalige Postbusse beförderten die zuvor bereits in Heil- und Pflegeanstalten eingewiesenen Patienten nach Hadamar, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft mit dem Giftgas Kohlenmonoxid umgebracht wurden.

Adolf Hitler hatte im September 1939 den Befehl zur so genannten „Euthanasie“-Aktion im Deutschen Reich gegeben. Mit dem Begriff „Euthanasie“, der aus dem Griechischen kommt und „guter Tod“ bedeutet, verschleierten die Nationalsozialisten die systematische Tötung von in ihren Augen „lebensunwertem Leben“.

Die Mordaktion wurde von einer zentralen Dienststelle mit Sitz in der Berliner Tiergartenstraße 4 organisiert, weshalb die „Euthanasie“-Verbrechen auch unter dem Namen „Aktion T4“ bekannt sind. Die Anstaltsleitungen mussten der Berliner Verwaltungsstelle Meldebögen mit Angaben zu bestimmten Patientengruppen senden. Gutachter prüften die Krankengeschichten und versahen die Bögen, ohne jemals die Patienten gesehen zu haben, mit einem roten „+“ für „Töten“ oder einem blauen „-“ für „Weiterleben“. Daraufhin wurden etwa 70.000 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen mit grauen Bussen in sechs über das Reichsgebiet verteilte Tötungsanstalten transportiert, ermordet und vor Ort in Krematorien verbrannt. In Hadamar fanden vom 13. Januar bis zum 24. August 1941 im Rahmen der T4-Geheimaktion 10.122 Kranke einen grausamen Tod.

Kritik vonseiten der katholischen Kirche und der Beginn des Russlandkrieges bewogen die Verantwortlichen im August 1941, zumindest die zentral gelenkte „Aktion T4“ zu beenden. Ein großer Teil des „Euthanasie“-Personals kam anschließend bei der Ermordung der Juden in Europa zum Einsatz. Dezentral fanden bis zum Kriegsende 1945 fortgesetzt weitere NS-„Euthanasie“-Verbrechen statt. Im Regierungsbezirk Wiesbaden starben in den Anstalten Hadamar, Eichberg, Kalmenhof und Weilmünster nochmals Tausende – unter ihnen viele Frankfurterinnen und Frankfurter – durch überdosierte Medikamente, Einspritzungen oder gezielte Unterernährung. Insgesamt fielen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von 1933 bis 1945 etwa 300.000 psychisch Kranke und Behinderte zum Opfer.

Die Urnen von 315 „Euthanasie“-Opfern aus Frankfurt und Umgebung ruhen in der Gräberanlage für Opfer des Nationalsozialismus auf dem Hauptfriedhof. Das mobile „Denkmal der grauen Busse“ erinnert an die Todestransporte der „Aktion T4“. Die eingemeißelte Inschrift „Wohin bringt ihr uns?“ überliefert die bange Frage eines Patienten.

(Veröffentlichung Stadt Frankfurt am Main)

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