Frankfurter “Judenschlacht” 1241 und 1349 – Judenprogrome im Mittelalter

 

Haus Storch

Die „Frankfurter Judenschlacht“ 1241 ging als schreckliches Pogrom in die Geschichte ein, bei dem rund 180 Juden starben. Fast hundert Jahre später wurde die jüdische Gemeinde sogar gänzlich zerschlagen. Immer wieder kam es in der Frankfurter Geschichte zu Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Mitte des 15. Jahrhundert wurde schließlich das erste Ghetto errichtet: Die Juden mussten fortan in der Judengassse leben

Hintergrund der “Judenschlacht”

Wie sehr die Existenz der Juden im Heiligen Römischen Reich und besonders in Frankfurt in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gefährdet war, zeigten die häufiger werdenden Verfolgungen und Pogrome, die vor allem in Zeiten zutage traten, in denen es ein Defizit an königlicher Autorität gab. Die Juden, die dem Status der perpetua servitus iudeorum, ihrer ewigen Knechtschaft, unterworfen waren, hingen entscheidend von der Effektivität des kaiserlichen Schutzes ab. Versagte er in Krisensituationen, wie im Falle der ersten „Judenschlacht“ im Jahre 1241 in Frankfurt, konnte dies fast die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung bedeuten. Als Grund für das Massaker führte man die Niederlage eines christlichen Ritterheeres gegen die, mit den kooperierenden Juden, Mongolen an. Stichhaltiger scheint jedoch die Begründung aus der einzigen erhaltenen Quelle von christlicher Seite, die einen Rechtskonflikt zwischen der jüdischen und christlichen Gemeinde um den Bestand einer Taufe nennt:

Der Sohn eines Juden wollte Christ werden, wurde jedoch von seinen Verwandten und Freunden daran gehindert. Darüber entstand Streit zwischen den Christen und Juden, wobei einige Christen getötet wurden. Und nun kam es zu einem gräßlichen Blutbad, wobei 180 Juden ums Leben kamen. In der Verzweiflung zündeten die Juden ihre Häuser an, weil sie lieber sich und ihre Habseligkeiten im Feuer umkommen sehen wollten, als in die Hände der Feinde fallen. Während nun die Christen sich rasender Mordlust überließen, griff das Feuer immer weiter um sich und verzehrte fast den halben Teil der Stadt. Die noch übrigen Juden, etwa 24, worunter auch ihr Rabbiner, ließen sich darauf in der Todesangst taufen.

Noch schlimmer ging es zu im Jahre 1349, bei der sogenannten zweiten Judenschlacht. Der Haß gegen die Juden und die Lust nach ihren Geldsäckeln erfanden die Sage, die Juden hätten die Brunnen vergiftet und sie seien Schuld an der Pest, die Deutschland verwüstete.
Nun waren gerade die Geißler in Frankfurt, die das Volk, das ohnehin schon erbittert gegen die Juden war, noch mehr gegen diese anreizten. (Die Flagellanten oder Geißler waren eine christliche Laienbewegung im 13. und 14. Jahrhundert. Ihr Name geht auf das lateinische Wort flagellum (Geißel oder Peitsche zurück. Zu den religiösen Praktiken ihrer Anhänger gehörte die öffentliche Selbstgeißelung, um auf diese Weise Buße zu tun und sich von begangenen Sünden zu reinigen.)
Damals war das Judenquartier noch in der Nähe des Doms, wo auch das Rathaus stand.
Als nun die auf Raub ausgehenden Geißler nicht anders zu den Geldkasten der Juden gelangen konnten, legten sie Feuer in der Judengasse, und verführten ein Geschrei, als seien sie von den Juden angetastet worden. Ehe es aber zu tätlichen Angriffen kam, sah man mit Schrecken aus den hölzernen, schindelbedeckten Häusern die Flammen emporschlagen, die rasch um sich griffen und einen großen Teil der südlichen Stadt nach dem Main zu in ein Feuermeer verwandelten.
Nun flohen die Geißler mit Geheul und Geschrei durch die Straßen und verbreiteten die Sage: ein reicher Jude, Namens Storck, der dem Rathaus gegenüber wohnte, habe einen feurigen Pfeil in das Rathaus abgeschossen, wodurch der Brand entstanden sei.
Man griff zu Lösch- und Rettungsgeräten, aber auch zu den Waffen. Der Anblick der brennenden Häuser und der jammernden Juden trieb die Wut auf´s Äußerste. Ohne Mitleid wurden diese, Männer, Frauen und Kinder, niedergestoßen, in die Flammen gejagt – oder sie stürzten  sich auch selbst hinein.
Die Geißler aber benutzten die allgemeine Verwirrung und plünderten.
Das Haus – der Südseite der Domkirche gegenüber – worin jener Jude Storck gewohnt haben soll, ist momentan ein Wirtshaus und führt den Namen „zum Storch” – erinnernd an jenes Bild aus der „guten alten Zeit”.

 

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