Nikolausabend in Frankfurt

Wir Frankfurter sind ja immer etwas Besonderes, so ist halt unser Empfinden. Deshalb feiern wir Frankfurter ja auch den Nikolausabend am Tag vor dem Nikolaustag, also heute Abend, am Abend vor dem Nikolaustag, am 5. Dezember eines jeden Jahres. Heute kommt der Nikolaus und mit ihm sein Knecht Ruprecht. Da gibt es Nüsse und andere Süßigkeiten für die lieben Kinder und einen Klaps auf den Po für die nicht so lieben Kinder. Ich habe mich früher unter dem Bett versteckt wenn es an die Wohnungstür polterte, man konnte ja nie wissen. Das Gedicht von Theodor Storm transportiert das Gefühl für diesen tollen Vorweihnachtstag am Besten zu allen Menschen.

 

Knecht Ruprecht kommt in Frankfurt an.

Knecht Ruprecht

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:

„Knecht Ruprecht“, rief es, “alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!

Ich sprach: „O lieber Herr Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ –

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“

Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“ –

„Hast denn die Rute auch bei dir?“

Ich sprach: „Die Rute, die ist hier:
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil den rechten.“

Christkindlein sprach:„So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find’!
Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

(Theodor Storm, 1817-1888, deutscher Schriftsteller)

Rudolf  hilft dem Nikolaus und seinem Knecht Ruprecht

 

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