Merkwürdigkeiten von der mittelalterlichen Frankfurter Messe

 

Die Frankfurter Messe, uralt und durch Dekrete der Kaiser garantiert, hatte eine große Bedeutung für die Stadt, ihre Bürger und die Händlerschaft. Die Messe beschränkte sich nicht nur auf Handelsgeschäfte und Händler sondern bot den Besuchern und Bürgern auch viel Unterhaltung und merkwürdige Darbietungen. Ich habe eine kleine Auswahl zusammengestellt und  empfehle sie Ihnen zu lesen. Ja, die Sprache ist heute schwierig zu verstehen aber es lohnt sich. Am Anfang der Begebenheit steht das Jahr wann diese Messe stattfand.

1545 Ist ein Seilfahrer vom Nicolas Thurm mit einem Seil herab gefahren.
1556 Ware allhier eine Frau umbs Geld zu sehen, so ohne Hände zur Welt gebohren, schriebe schön mit den Füssen, schnittdie Schreib-federn, und nehete auch. Gualterii.<chron, Politic.Lib.II pag.347 Lersner Seite 560
1606 Den 11. April. Als man die Meß ausleuten wollen ist im Anfang des Leuthens der Riemen darin der Schwengel hängt, entzwey gebrochen, und herab gefallen, also daß man das Leuthen einstellen müssen.
1631 In der Oster-Meß ware in einer Hütten am Mayn umbs Geld zu sehen, ein jährlich lebendiges Lamb, das hatte sechs Füsse, ist auff allen sechs Füssen gangen, auch waren zwey lebendige Stachel Schweine darinn zu sehen.
1656 In der Hebst – Meß hat sich ein großer Mensch aus Braband umbs Geld sehen lassen, seines Thuns ein Schumacher, der ware Kopps länger als der größte Mensch in hiesiger Stadt/kein soderlicher Esser, aber ein guter Trincker.
1659 In der Fasten-Meß ist allhier ein lebendiger Seehund zusehen gewesen, der ware halb als ein Hund und halb als ein Fisch gestaltet, 3.Ehlen lang, und sechzig Pfundt schwer. Auch wurde von einem Nürnberger Abends nach acht Uhr im Rahmhoff ein Feuerwerck gehalten, wer hienein und zusehen wolte muste zehen Kreutzer geben.
1660 In der Oster-Meß waren in einer Hütten, hinter der Waag, zwey lebendige Monstra zu sehen, das eine ware ein Türkischer zweyjähriger Hammel der hatte einen Schwantz etliche Pfundt schwer, zwey Köpff vier Ohren vier Augen, und sechs Füsse, hat aber nur mit dem einen Kopf gegessen. Das andere ist gewesen eine vollständige jährige Geiße, mit fünff langen Hörnern, vier ober auf dem Kopff von grauen Farben, das füffte aber ware gantz gelb, und stunde mitten auf desen Halß.
1669 In der Oster-Meß lässet sich umbs Geld sehen Simon Jonston ein Engländer, seines Alters ohngefehr 40. Jahr, der konte mit seinem Mund, von denen kleinesten Nähnadeln, mit einem seiner eigenen Haaren / gantz behend einfädeln / auch konte er mit der Feder im Mund zierlich schreiben, und aus einer Schüssel mit einem Löffel Brüh essen, er ware ohne Hände zur Welt gebohren.

Das ist nur eine kleine Auswal, die Lersner’sche Chronic hat natürlich noch viel mehr davon zu bieten.

Alte Zunfttafel aus dem Mittelalter

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