Im A…. von Frankfurt – Das Kanal und Abwassersystem der Stadt

Das Frankfurter Kanalsystem ist teilweise über 100 Jahre alt und insgesamt ungefähr 1600 Kilometer lang. Abwasser aus Küche und Toiletten, Regenwasser und sonstiges Abwasser landet im Kanalsystem unserer Stadt und wird in Kläranlagen in Sindlingen und in Niederrad aufbereitet. Die großen Kanäle der Stadt sind begehbar, nur die Ableitungen der Häuser sind klein und eng, werden aber trotzdem auf Risse oder Wurzeln überprüft.

Kanalisation in Frankfurt

Wie kam es zu dem Kanalsystem, in dem wir heute wandern können? Eigentlich begann alles im 19. Jahrhundert, als in Frankfurt das Abwasser noch oberirdisch in den Main oder in Festungsgräben geleitet wurde. An diesen Einleitestellen muss es fürchterlich gestunken haben.

Erst recht, als die Wasserklosetts in Mode kamen. Sie erhöhten den Wasserpegel dann drastisch und stetig. Die hygienischen Zustände müssen untragbar geworden sein, auch die Bevölkerung vermehrte sich. 1867 begann man also mit dem Bau des Kanalnetzes wie wir es heute kennen. Das erste städtische Klärbecken wurde 1882 in Niederrad errichtet. Und da das meiste Abwasser auf der rechtsmainischen Seite anfiel, musste es durch zwei Dükerrohre unter dem Main nach Niederrad geleitet werden.

Und das ist alles bis heute so geblieben. Und bis heute werden auch die damals errichteten Kanäle gewartet und gepflegt. Wir möchten sagen, liebevoll gepflegt. Denn das, was sich unter der ganzen Stadt Frankfurt auf fast 1700 Kilometer herzieht, ist ein Kulturdenkmal und auch ein historisches Zeugnis einer Zeit, die wir nicht kennen. Wir möchten fast behaupten, dass die alten Kanalarbeiter aus den 1870er Jahren irgendwie noch präsent sind da unten im Dunkeln.

In der Taunusanlage, unter den Banktürmed

Diese Pioniere hatten dieses System perfekt konstruiert. Dennoch: Es hat sich auch einiges verändert. Die Sicherheitsstandards, die Ausstattung, die Arbeitsbedingungen und auch die gesundheitlichen Vorkehrungen für die Kanalarbeiter sind moderner. Aber eines hat sich noch immer nicht verändert oder vielleicht sogar noch verschlechtert. Das ist der Ruf und das Image der Kanalarbeiter. 

Wie riecht es denn nun im Kanal? Wirklich nicht schlimm. Bei der Müllabfuhr stinkt es deutlich mehr. 

Manche Gänge sind recht eklig

19 Abwasserpumpwerke sorgen dafür, dass das Abwasser aus tief gelegenen Einzugsbereichen in das weiterführende Kanalnetz und zu den Abwasserreinigungsanlagen transportiert wird. Die größte und wichtigste Anlage ist das Pumpwerk Mainmühle in Höchst, die das Abwasser der Stadtteile Nied, Höchst, Schwanheim und Sossenheim entsorgt.

36 Regenbecken und Regenrückhaltekanäle mit zusammen circa 80.000 Kubikmeter  Volumen dienen dazu, Regenwasser zu reinigen und zu speichern und somit Überlastungen des Kanalnetzes oder der Gewässer zu vermieden.

Viele Hundert Absperreinrichtungen dienen dazu, die Abwasserströme im Kanalnetz zu verteilen oder zum Beispiel bei Wartungs- und Reparaturarbeiten zurückzuhalten.

Zahlreiche Niederschlagsschreiber, Durchfluss- und Höhenstandsmessstellen sowie ein modernes Prozessleitsystem überwachen den aktuellen Betriebszustand des Kanalnetzes lückenlos. Treten Störungen auf, wird das Betriebspersonal oder die Rufbereitschaft alarmiert – rund um die Uhr.

Die Mitarbeiter sind mit Gas – Warngeräten ausgerüstet, ohne diese kann keine Begehung stattfinden. Sollten diese eine Gasalarm anzeigen muß sofort eine Schutzmaske aufgesetzt werden, sonst droht der Tod.

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