Dritter Hochhauscluster am Ostbahnhof in Überlegung

Skyline -Hochhaustürme in Frankfurt am Main

Ein dritter Hochhaus-Pulk (Cluster) könnte am Ostbahnhof entstehen. An dieser Idee tüftelt man im Stadtplanungsamt. So könnte sich das Stadtbild massiv verändern. Das sorgt bei einigen für Skspsis, andere sind begeistert: Der derzeit wohl wichtigste Frankfurter Architekt (Christopf Mäckler)  fordert Wolkenkratzer im Ostend.

Auszüge aus: Skylineatlas.de

Hochhaus-Rahmenplan 2021

Die Stadt Frankfurt möchte mit dem Hochhausrahmenplan 2021 ihre politische Meinung darüber ausdrücken, wie und wo Hochhäuser in Zukunft entstehen sollen. Damit sollen sich Investoren und Bauherren besser orientieren können.

Das Planungsdezernat arbeitet aktuell erneut an der Fortschreibung vom Hochhausentwicklungsplan 2000, der bereits im Jahr 2008 fortgeschrieben wurde. Aufgrund dieser Rahmenpläne können aktuell noch an 16 möglichen Standorten offiziell Hochhäuser errichtet werden. Darunter gehört eine Fläche südlich vom Hauptbahnhof gelegen, auf dem einst der Campanile entstehen sollte, und ein Areal an der Messe, auf dem einmal der bis zu 365 Meter hohe Millennium Tower entstehen sollte. Der Hochhausrahmenplan 2021 wird von Jourdan & Müller PAS vorgelegt, die auch in der Vergangenheit stets die Hochhausrahmenpläne vorgelegt hatten.

Hochhäuser in Clustern

Im Planungsdezernat der Stadt Frankfurt ist man dabei, eine Fortschreibung des Hochhausentwicklungsplans vorzubereiten, der auch Standorte benennen wird, an denen neue Hochhaustürme entstehen können. Bisher setzt die Stadt auf Cluster (Hochhauspulks), in denen jeweils mehrere Türme über 60 Meter Höhe entstehen können. Alleinstehende Hochhäuser sollen die absolute Ausnahme sein. Der nächste Hochhausplan, dessen Vorlage bereits für 2018 und dann 2019 vorgesehen war, soll nun im Jahre 2021 vorgelegt werden.

Sinn und Zweck

Der neue Rahmenplan soll nach Angaben vom Planungsdezernat auch ausweisen, wo selbst Hochhäuser unter 60 Meter nicht entstehen dürfen. Das sei nötig, um die „Stadtsilhouette zu beruhigen“ und bestimmte Standorte und Stadtteile vor Bodenspekulation zu schützen.

Was noch offen ist: Ob im neuen Hochhausentwicklungsplan konkrete Standorte oder nur grobe Zonen für die neuen Hochhäuser festgelegt werden sollen. Projektentwickler haben sich gegen die Bennung klarer Baufelder ausgesprochen, da deren Wert sonst stark steigen würde. Um der Bodenspekulation einen Riegel vorzuschieben, hatte sich die Stadt in der Vergangenheit jeweils für konkrete Standorte entschieden. In dieser Sache sei es aber noch nicht zu einer Entscheidung gekommen, heißt es aus dem Planungsdezernat.

Rechtlich verbindlich wird dieser neue Hochhausplan allerdings nicht, wie alle Hochhauspläne bisher. In den vergangenen Jahren erlaubte die Stadt eine Reihe Hochhäuser (siehe Übersicht weiter unten), ohne dass diese jemals in einem Hochhausrahmenplan vorgesehen waren. Ein Hochhausrahmenplan ist also nichts weiter als eine politische Meinungsäußerung der Stadt (und vor allem denjenigen, die den Plan formulieren) zu einem bestimten Zeitpunkt.

Genehmigt „ohne Plan“

Mit dem Hochhausentwicklungsplan 2021 möchte die Stadt „Wildwuchs“ im Städtebau verhindert und den Bau von Hochhäusern gezielt lenken. Doch es wurden bereits eine Reihe von Hochhäusern genehmigt und gebaut, ohne dass diese ursprünglich in einem Hochhausrahmenplan vorgesehen waren:

Warum also schafft es manches Projekt, realisiert zu werden, und andere nicht? Ganz einfach: Es gab für das genehmigte Projekt eine politische Mehrheit. Diese Mehrheit war entweder schon vorhanden oder sie konnte beschafft werden. Entweder es herrscht ohnehin große Einigkeit über das Projekt (Stichwort EZB) oder der Bauherr versüßt der Stadt das „Ja“-Wort durch Zugeständnisse, wie den Bau von günstigem Wohnraum.

Keine Wohnhochhäuser

Bei der Fortschreibung des Hochhausrahmenplans will die Stadt Frankfurt dem Vernehmen nach keine neuen Wohntürme ermöglichen. Diesbezüglich soll sich Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der auch Tonangeber beim Hochhausrahmenplan ist, bei einer Fachtagung geäußert haben. Viele neue Wohnhochhäuser stünden teilweise leer und würden so einer Wohnnutzung vorenthalten. Diese Wohntürme dienten vor allem auswärtigen Investoren als Kapitalanlage und seien damit keine Entlastung für den Wohnungsmarkt.

Mike Josef verwies dabei auf den Henninger-Turm, in dem abends hinter vielen Fenstern kein Licht brenne. Deshalb sind bei der Fortschreibung des Hochhausrahmenplans insbesondere Bürotürme und gemischt genutzte Hochhäuser vorgesehen. Es wird daher etwartet, dass keine Standorte für neue Wohnhäuser im neuen Hochhausrahmenplan ausgewiesen werden.

Erste Tendenzen erkennbar

Auf der Veranstaltung Immobilien-Dialog Frankfurt am Main sagte Stadtplanungsamtsleiter Martin Hunscher im März 2020, dass die Stadt Frankfurt sich das Gebiet rund um den Ostbahnhof als neuen Hochhauscluster vorstellen könnte. Diese Information passt zum Marktgezwitscher von November 2019 (der SKYLINE ATLAS berichtete), dass die EZB einen weiteren Hochhausturm direkt neben dem bestehenden EZB-Wolkenkratzer plane. Damit würde der dritte Hochhauscluster in Frankfurt entstehen, neben den bereits bestehenden Clustern Bankenviertel und Europaviertel.

Problematisch an diesem Vorschlag ist bisher nur, dass die Stadtverordneten seinerzeit beschlossen haben, dass der Sitz der EZB als Solitär entstehen soll ohne starke Hochhausbebauung in der Nähe. Doch wie die Zahlen zeigen, platzt die EZB aus allen Nähten und benötigt am Stammsitz dringend Kapazitäten für die steigenden Aufgaben. Es bleibt abzuwarten, ob die Stadt Frankfurt hier ein Umdenken schafft. In jedem Fall hätte ein neues Cluster hier eine weitere Brückenfunktion in Richtung Kaiserleigebiet und Offenbach.

Warum hat Frankfurt so wenige Einwohner?

Frankfurt ist eine vergleichsweise kleine Großstadt. Die Mainmetropole hat zwar in den vergangenen 10 Jahren rund 100.000 neue Einwohner hinzugewonnen, doch wohnen innerhalb der Stadtgrenzen nur rund 750.000 Menschen. Damit liegt Frankfurt nur auf Platz 5 der größten deutschen Städte:

  1. Berlin (3,9 Mio. Einwohner)
  2. Hamburg (1,8 Mio. Einwohner)
  3. München (1,5 Mio. Einwohner)
  4. Köln (1,1 Mio. Einwohner)
  5. Frankfurt am Main (750,000 Einwohner)

Damit hat Frankfurt nur knapp 20% der Einwohnerzahl von Berlin. Auch gegen internationale Städte wie Paris (2,1 Mio. Einwohner) und London (8,9 Mio. Einwohner) wirkt die Mainmetrole geradezu winzig. Dennoch entfaltet Frankfurt national und international eine immer größere Strahlkraft.

Handelsstadt

Frankfurt war früher schon eine erfolgreiche Handelsstadt, deren Erfolg vor allem ihrer verkehrsgünstigen Lage am Main geschuldet war. Als freie Handelsstadt war Frankfurt im Mittelalter von Belagerungen und Plünderungen bedroht. Daher wurde im Jahr 1000 eine Stadtbefestigung um die Stadt Frankfurt errichtet, die bis in das 19. Jahrhundert Bestand hatte. Aufgrund politischer Veränderungen wurde die Stadtmauer erst bis zum Jahr 1818 weitestgehend abgetragen und kesselte über Jahrhunderte die Entwicklung der Stadt ein. Durch die Stadtmauer entstand ein bis heute bestehender Ring aus Parks um die Innenstadt herum.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Deutschland war Frankfurt nie Residenzstadt von Kurfürsten. Daher gibt es in der Mainmetropole auch heute kaum prachtvolle Boulevards oder herrschaftliche Schlösser.

Während früher Waren über den Main transportiert wurden, sind es heute Menschen, Waren und Informationen, die in Frankfurt „umgeschlagen“ werden.

Frankfurter Stadtbefestigung im Mittelalter - Stadtmauer Frankfurt

Wenige Eingemeindungen

Im Vergleich zu anderen Ballungsräumen (Berlin, Köln, Stuttgart, etc.) wurden um Frankfurt herum erst spät und dann nur wenige angrenzende Orte eingemeindet. Viele umliegenden Städte behielten bis heute ihre Souveränität (Offenbach, Neu-Isenburg, Eschborn, etc). Nicht selten teilt nur die andere Straßenseite Frankfurt von den Vororten ab. Im realen Leben der Menschen werden diese Vororte heute als Teil der Stadtregion Frankfurt begriffen und müßten eigentlich ein Teil von Frankfurt sein.

Ohne diese Vororte wäre Frankfurt auch heute nicht das, was es ist. Erst der Speckgürtel der Vororte läßt Frankfurt tagsüber aufgrund von circa 400.000 Pendler zur Millionenmetropole werden.

Im Zentrum der Verkehrswege

Frankfurt liegt zentral in Deutschland und ist heute nur wenige Kilometer vom geografischen Mittelpunkt der EU entfernt. Hier treffen große nationale und internationale Verkehrsträger aufeinander und schaffen Superlativen:

  • Deutschlands meist frequentierter Bahnhof
  • Deutschlands größter Flughafen
  • Deutschlands meist befahrenes Autobahnkreuz
  • Deutschlands Pendlerhauptstadt
  • Deutschlands größtes Messegelände
  • Größter Internetknotenpunkt der Welt

Die verkehrsgünstige Lage zwischen Nord-Süd und Ost-West sorgt dafür, dass Frankfurt Anlaufpunkt für Menschen, Waren und Informationen geworden ist. Die Lage ist Frankfurts nicht kopierbares Alleinstellungsmerkmal.

Frankfurt hat heute aufgrund seiner Lage, der Verkehrsträger und dem Handel eine internationale Strahlkraft entwickelt. Die reine Einwohnerzahl innerhalb der Stadtgrenzen täuscht insofern über die eigentliche Metropolenfunktion hinweg. Erst durch die Stadtregion Frankfurt (2,7 Mio. Einwohner) und die Verkehrsdrehkreuze wird Frankfurt zur Weltmetropole.

Die Hochhäuser in Frankfurt sind also eine Konsequenz, wenn Flächenmangel, Menschen und Geld aufeinander treffen.

Neben seinem Image als Hochhausstadt hat Frankfurt noch andere Identitäten. Hierzu zählen verschiedene dicht bebaute innerstädtische Quartiere mit einer Höhe von bis sechs Geschosse. Aber auch die wieder neu aufgebaute Altstadt (Neue Altstadt) und die Grünflächen um die Stadt herum sind Besonderheiten.

Die 10 Top Hochhäuser in Frankfurt am Main

Dennis Pfeifer-Goldmann schrieb am Montag den 9. März 2020 folgenden Kommentar zu diesem Thema in der Frankfurter Neuen Presse:

Wir Frankfurter können nun unseren Mut beweisen. Ob wir uns trauen, eine dritte Hochhausgruppe am Ostbahnhof zuzulassen. Das wäre nicht nur nützlich, sondern ein großer Schritt voran für die Stadt. Wer es ernst meint mit der Nachverdichtung, der baut in die Höhe. Das betonen die Stadtpolitiker der Koalition ja immer wieder. Ja, auch mit Wohnen im Hochhaus. Müssen Wolkenkratzer immer nur Luxus Appartements bieten? Wieso wagt sich die Stadt, zur Not auch selbst, nicht daran, eine bessere Mischung hinzukriegen? Dann passen solche Bauten auch ins bodenständige Ostend, ohne sofort die Gentrifizierung massiv zu beschleunigen.

Wäre ein Hochhaus-Pulk am Ostbahnhof eine zu starke Konkurrenz für den EZB-Turm? Nein: Mit der großen Sicherheitsfläche drumherum bekommen die Zentralbanker nie einen direkten Nachbarn. Und so ins Herz schließen wie ihren Messeturm werden die Frankfurter den windschiefen Zinszacken

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