Freie Stadt Frankfurt am Main verliert 600 – jährige Unabhängigkeit

Kavallerie vor Frankfurts Toren

Kavallerie vor Frankfurts Toren

Im Sommer wurde es unausweichlich, der Deutsche Krieg zeichnete sich ab. Die Stadt blieb ihrer Devise treu, “Stark im Recht” bundestreu. Sie stimmte am 14. Juni 1866 gegen Preußen, wollte sich aber nicht am Bruderkrieg beteiligen. Allerdings gelang es ihr nicht sich aus den kriegerischen Handlung herauszuhalten, denn Preußen betrachtete die Frankfurter Bundestreue als feindlich und Bismarck war entschlossen, die deutsche Einheit unter Preußens Führung mit Gewalt herzustellen. Das war gleichbedeutend damit Österreich komplett aus der deutschen Politik zu verdrängen.

Die Preussen in Frankfurt

Die Preussen in Frankfurt

 Am 16. Juli 1866 okkupierte die Preußische Armee unter General Eduard Vogel von Falckenstein die unverteidigte Stadt und legten ihr schärfste Repressalien auf.Schon einen Tag nach der Okkupation wurde ihr eine Kontribution in Höhe von rund 5.8 Millionen Gulden auferlegt. Diese wurde  auch sofort bezahlt. Der Nachfolger von Falckenstein, Edwin von Manteuffel erhob darauf hin eine zweite Kontributionsforderung von 25 Millionen Gulden, die von der Bürgerschaft bezahlt werden sollte. Diese bestand damals aus rund 35.000 Bürgern von denen allerdings nur rund 8000 steuerpflichtig waren. Die Bürger mussten ihre privaten Reitpferde für die Armee bereitstellen, die Händler und Wirte der Stadt wurden gezwungen, große Vorräte an Lebensmitte, Wein und Zigarren an die preußischen Besatzer auszuhändigen. Die Frankfurter Zeitungen durften nicht mehr erscheinen. Ausnahme das Journal. Hofrat Fischer-Goullet, der Redakteur der Oberpostamtszeitung wurde verhaftet und erlitt bei seiner Vernehmung einen tödlichen Schlaganfall. Die Frankfurter wussten schon damals dass alles was aus Berlin kommt nicht unbedingt segensreich für die Stadt sein musste.

Zahlreiche Frankfurter flohen ins Ausland, so Friedrich Stoltze nach Stuttgart und der Naturforscher Eduard Rüppel in die Schweiz. Ende 1866 durften die Emigranten im Rahmen einer allgemeinen Amnestie zurückkehren.

Der Senat unter Bürgermeister Karl Fellner lehnte einen freiwilligen Anschluss der Stadt an Preußen nicht grundsätzlich ab und erklärte sich bereit, die Stadtgeschäft als Bevollmächtigter der Besatzer weiterzuführen. Fellner wurde am 22. Juli vom preußischen Militärkommando vereidigt und plädierte im Senat dafür, die zweite Kontributionsforderung ebenso wie die erste zu erfüllen, jedoch bei der preußischen Regierung um eine Möglichkeit zur Ratenzahlung zu bitten. Die Gesetzgebende Versammlung und die Ständige Bürgerrepräsentation der Freien Stadt lehnten diesen Vorschlag jedoch am 23. Jul1 1866 ab, um gegen die Behandlung der Stadt zu protestieren. Der preußische Stadtkommandant, Generalmajor von Röder, legte dies als offene Rebellion aus und forderte Fellner auf, bis zum nächsten Morgen eine Proskriptionsliste mit den Namen und Besitzverhältnissen aller Mitglieder der städtischen Körperschaften offenzulegen. Andernfalls drohte er mit der Bombardierung und Plünderung der Stadt.

Fellner befand sich damit in einem schier aussichtslosen Konflikt zwischen seinen Pflichten gegenüber der Stadt und ihren Bürgern einerseits und seinem Eid als Regierungsbevollmächtigter andererseits. Er sah keinen anderen Ausweg mehr als Selbstmord. Am Morgen seines 59. Geburtstages, dem 24. Juli 1866, erhängte sich Fellner in seinem Wohnhaus in der Seilerstrasse. Die Militärbehörde unterdrückte sie Nachricht vom Tode Fellners, trotzdem erschienen rund 6000 Bürger zu seinem Begräbnis auf dem Hauptfriedhof. Dieses fand auf Anordnung des preußischen Kommandanten um 4.30 morgens statt. Bei der Trauerfeier überreichte Fellners  Schwager, Apellationsgerichtsrat Kugler, dem neuen preußischen Landrat Dienst die leere Liste und den Strick, mit dem Fellner sich erhängt hatte.

Danach lockerten die Preußen die schlimmsten Repressalien. Bismarck hatte in diplomatischen Kontakten mit dem französischen Kaiser und dem russischen Zaren die Gewissheit gewonnen, dass diese der preußischen Annexionspolitik  keinen Widerstand entgegensetzen würden. Eine Delegation der Stadt und der Führung des Senators Müller erreichte Ende Juli bei Bismarck in dessen böhmischen Hauptquartier  einen Aufschub der Kontributionsforderung, erhielt aber die Mitteilung, dass die Annexion beschlossene Sache sei. Am 28. Juli setzte Preußen eine Zivilverwaltung ein und ernannte Senator Samuel Gottlieb Müller zum amtierenden Bürgermeister. Im September stimmen beide Häuser des preußischen Landtags für das von der Regierung vorgelegte Annexionsgesetz , das am 23. September veröffentlicht wurde. Die Annexion vollzog sich am 8. Oktober 1866 mit der öffentlichen Verlesung des “”Patentes wegen Besitznahme der vor vormaligen Freien Stadt Frankfurt” und den neuen Zivilgouverneur Robert von Patow auf dem Römerberg. In das “Hoch auf den König” soll nur ein einziger der versammelten Frankfurter eingestimmt haben.

Nach dem Ende von über 600 Jahren als eigenständige Stadtrepublik verblieben in Deutschland nur noch drei Stadtstaaten: Lübeck das 1937 an Preußen fiel, sowie die Freie Hansestadt Bremen und Hamburg, die diese alte Tradition bis heute fortsetzen.

Die Männer von der Patroullie 1866 konnten Frankfurt auch nicht vor den Preußen retten.

Die Männer von der Patroullie 1866 konnten Frankfurt nicht vor den Preußen retten

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